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Bildung gegen rechts: Illusion oder reale Herausforderung?

(Ramsbacher, Evers, Baumgartner, Winkler)

 

Österreich erlebt einen Rechtsruck. Berichten zufolge steigt die Zahl rechtsextrem und rassistisch motivierter Übergriffe. PolitikerInnen betreiben offen Hetze gegen AusländerInnen und MigrantInnen. Die rechte Ideologie setzt auf eine wachsende AnhängerInnenschaft, was nicht zuletzt die Nationalratswahl im Jahr 2008 gezeigt hat. Doch wie reagiert die österreichische Bildungslandschaft auf diese Tatsache? Kann Bildung, insbesondere die Erwachsenenbildung, überhaupt einen Beitrag leisten und wenn ja, wo liegen die Herausforderungen? Diese und andere Fragen diskutierten am 25. Mai 2009 unter der Moderation von Daniela Ramsbacher (ETC Graz) die Expertinnen und Experten Rahel Baumgartner (ÖGPB), John Evers (VHS Ottakring), Ilse Nisevic (Forum für Politische Bildung), Roman Schweidlenka (LOGO Eso Info) und Gerhard Winkler (ÖGB).

 

In den Gesprächen wurde alsbald festgestellt, dass Bildung einen Beitrag leisten kann und muss. An den Bildungsangeboten mangle es nicht: diese reichen von Lehrgängen für MultiplikatorInnen der offenen Jugendarbeit, LehrerInnen, GewerkschaftlerInnen und sonstige Interessierte über Argumentationstrainings für bereits Sensibilisierte, öffentliche Diskussionsveranstaltungen, Workshops zu Interkulturalität, Migration, Rechtsextremismus, wissenschaftliche Fachbroschüren, Informationsmaterial bis hin zu Studienreisen und vielem mehr. Die wesentliche Frage, die sich jedoch immer wieder stellte, ist die Frage der Erreichbarkeit der unterschiedlichen Zielgruppen. Während einzelne der anwesenden ExpertInnen eine erhöhte Nachfrage nach einzelnen Angeboten wahrnehmen, muss festgestellt werden, dass die breite Aufmerksamkeit fehlt. Es gilt, neue Wege und Lernformen zu finden, den Bedarf der jeweiligen Zielgruppen besser zu kennen, um entsprechende Angebote zu konzipieren (Mitbestimmung). Menschen müssen nicht nur intellektuell, sondern auch emotional angesprochen werden, um eine entsprechende Betroffenheit herzustellen. Zu Zivilcourage muss ermutigt und eine entsprechend breite Bildungsoffensive auch im öffentlichen Raum ermöglicht werden. Die Grenze der (Erwachsenen-)Bildung bzw. politischen Bildung liegt also in der Erreichbarkeit der Menschen, da die bestehenden Angebote der Erwachsenenbildung auf Freiwilligkeit basieren. Dennoch wird eben diese Grenze als neue Herausforderung gesehen. Während es also weiterhin gilt, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln einen möglichst fruchtvollen Beitrag zu leisten, liegt eine spezielle Herausforderung bei den Politikerinnen und Politikern unseres Landes: Bestehende strukturelle Hindernisse in der Bildung müssen abgebaut und brisante Themen wie Migration, Integration, Heimat(losigkeit), Arbeitslosigkeit und Bildung endlich nicht mehr dem rechten Lager überlassen werden. Probleme müssen in glaubwürdiger Weise aufgenommen, echte Lösungsmöglichkeiten präsentiert und eine klare Haltung eingenommen werden.

(26.5.2009)

 

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